Forschung Entomologie

Biowissenschaften | Entomologie

Das Museum für Naturkunde in Chemnitz beteiligt sich an der weltweiten Inventur der biologischen Vielfalt. Forschungsschwerpunkte im Bereich der Entomologie, dem umfangreichsten Sammlungsbestand des Museums, umfassen die Systematik, Verbreitung und Biologie von Schmetterlingen, insbesondere von Geometriden.


Gegenwärtig laufende Projekte:

Systematik der Steinspanner (Geometridae: Gnophini)

Klärung der Taxonomie, Phylogenie und Verbreitung der Steinspanner (u.a. Gnophos, Charissa, Psodos, Gnophopsodos, Dyscia) unter Verwendung morphologischer Daten und mitochondrialer DNA-Sequenzen.
Aktuell: Revision der Steinspanner der Mega-Gattung Charissa; Revision der Steinspanner der Türkei; Revision der Steinspanner des Iran; Revision der Steinspanner des südlichen Afrika.

DNA-Barcoding

DNA Barcoding von Steinspannern im Rahmen des Projekts Lepidoptera Barcode of Life.

Geometridenfauna von Mitteldeutschland (Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt)

Fortführung der Online-Präsentation der entomofaunistischen Landesdatenbank Geometridae mit gegenwärtig ca. 250.000 eingepflegten Fundmeldungen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt (in Zusammenarbeit mit ca. 150 Freizeit-Entomologen); Forschungen über die Biologie und Verbreitung einheimischer, vom Aussterben bedrohter Geometridenarten (z.B. Hydriomena ruberata, Baptria tibiale).

Entomofaunistische Datenbank „Schmetterlinge“

Aufbau und Pflege einer entomofaunistischen Datenbank „Schmetterlinge“ für den Regierungsbezirk Chemnitz (einschließlich der Altdaten aus den entomologischen Sammlungen des Museums für Naturkunde Chemnitz).

 

Forschungskooperationen bestehen mit dem Transvaal Museum of Natural History, Pretoria (Dr. M. Krüger), der Zoologischen Staatssammlung München (Dr. A. Hausmann), der University of Guelph, Biodiversity Institute of Ontario, Canadian Barcode of Life Network (Prof. Dr. P. D. Hebert) sowie zahlreichen Privatpersonen (z.B. Dr. J. Gelbrecht, Königs Wusterhausen; Dr. B. Müller, Berlin).

 

Publikationen


Forschungsnachrichten aus dem Bereich Entomologie

by S. Erlacher

Aliens unter uns – eine Begegnung mit der sechsten Art

Das "Geisterfischchen" (Ctenolepisma calva) - neu für Europa!

Das Team um den Biologen Sven Erlacher vom Chemnitzer Naturkundemuseum hat ein Insekt entdeckt, das noch nie zuvor in Europa gefunden wurde – und das Mitten in unserer Stadt!

Wer kennt sie nicht, jene flott davonhuschenden Miniraketen, die sich unauffällig unter Badezimmermatten und in Ritzen verbergen? Gemeint sind die Fischchen. Sie sind klein, unglaublich schnell und vor allem in der Nacht aktiv. Trotz dieser sehr verborgenen Lebensweise sind sie allgegenwärtig und fast jeder Mensch ist ihnen irgendwann schon einmal begegnet. Sie sind flügellos, beschuppt und tragen meist auffällig lange Körperanhänge. Ob man sie nun mag oder nicht, tatsächlich kommen diese völlig harmlosen Insekten in fast jeder Wohnung vor.

Fünf Arten gibt es in Deutschland, darunter das häufige Silberfischchen und das Ofenfischchen. Mit der Entdeckung einer sechsten Art, liebevoll „Geisterfischchen“ genannt, gelang dem Team um den Biologen Sven Erlacher vom Chemnitzer Naturkundemuseum nun eine kleine Sensation. Gleich an zwei Stellen in Chemnitz konnte Ctenolepisma calva, so der wissenschaftliche Name der Tierart, nachgewiesen werden: in einer Wohnung im Stadtteil Schlosschemnitz und im Zentrum auf der Museumsetage im Tietz. Dabei ist so gut wie nichts über diese Art bekannt. Erstmals beschrieben wurde sie im Jahr 1910 aus Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Anfang der 70er Jahre fand man sie in Mittelamerika, wo sie namentlich in Havanna eine der häufigsten Arten menschlicher Behausungen war. Die Exemplare aus Chemnitz wurden gemeinsam mit einem Kollegen der Universität Lissabon bestimmt, der sich jahrzehntelang intensiv mit dieser Tiergruppe beschäftigt hat. Der zierliche Wohnungsgeist ist weißlich und wird maximal 8 mm lang. Die langen Körperanhänge können bei der leichtesten Berührung abbrechen.

„Zwei Vorkommen in einer Stadt wie Chemnitz sind sicher kein Zufall, sondern ein Hinweis darauf, dass sich das tropische Fischchen aktuell bei uns ausbreitet“, meint Sven Erlacher vom Museum für Naturkunde. Von einem „invasiven Alien“ will der Forscher jedoch nicht sprechen, dafür sei zu wenig über diese Art bekannt. Deshalb wende er sich an alle interessierten „Bürgerwissenschaftler“, deren Beobachtungsgabe nun gefragt sei. „Jeder ist aufgerufen, auf die neue Art zu achten und wenn möglich mit der Handykamera zu fotografieren und uns die Fotos zu schicken, denn nur so sind wir in der Lage, mehr über diese Art zu erfahren“, sagt der Biologe.


Die Invasion neuer Arten nach Mitteleuropa ist auch das Thema der neuen Sonderausstellung am Museum für Naturkunde, die ab 04. Mai 2017 zu sehen sein wird: „via regia - Straße der Arten“. Die Ausstellung zeigt die Auswirkungen von Handel und Reisen auf das Leben am Wegesrand.

Video von Sachsen-Fernsehen vom 12.04.2017

Video von Sachsen-Fernsehen vom 04.05.2017

Wikipedia-Artikel zum Geisterfischchen

 


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Museum für Naturkunde Chemnitz | Moritzstraße 20, 09111Chemnitz
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